Mehr Lächeln

Ich möchte ein guter Mensch sein. Ein besserer Mensch werden, ja ehrlich!
Das Richtige denken, zur richtigen Zeit das Richtige sagen und natürlich richtig handeln.
Doch in unserer heutigen Zeit ist das gar nicht mehr so einfach. Nicht, dass es jemals einfach gewesen wäre – oder wir uns nun mit der Frage beschäftigen, was richtig und was falsch ist, denn je nach Betrachtungsweise kann sich das ja von Mensch zu Mensch unterscheiden.

Mir kommt es so vor, als leben wir momentan in einer Gesellschaft, in der die Menschen nur noch auf sich selbst achten, anstatt auch auf ihre Mitmenschen zu blicken. Egal wie man handelt, egal was man macht (oder eben auch nicht), nichts ist richtig, alles ist irgendwie falsch. Alles wird kritisiert. Von allen Seiten kommen schräge Blicke. Betrifft es jemand anderen, wird man laut und man spricht mit. Betrifft es einen selbst, wird man leise, macht einfach, konzentriert sich nur auf die eigene Person. Jeder ist sich selbst der Nächste. Jeder sieht nur seinen eigenen Vorteil. Jeder ist um sein eigenes Wohlergehen bemüht. Und ist dies gänzlich falsch? Nein! Denn wenn eine Gesellschaft eben so denkt, bleibt ein Individuum, welches nicht so handelt, auf der Strecke. Denn wenn du dir selbst nicht hilfst, hilft dir niemand.

Ich möchte also heute über unsere Welt sprechen – und wie egoistisch sie doch eigentlich ist. Sicher, früher war sie das auch und zukünftig wird sie es vermutlich bleiben. Doch wäre es so schlimm, wenn wir sie zu einem klein wenig besseren Ort machen? Ein Ort, der etwas freundlicher ist?
Auch wenn wir uns nicht nahestehen, so beeinflussen wir uns doch gegenseitig. Wenn wir mürrischen Menschen begegnen, wird sich auch unsere Laune senken. Aber wirkt dieses Prinzip dann nicht auch umgekehrt? Sprich, wenn wir uns bemühen freundlicher zu sein, können wir diese Freundlichkeit weitergeben und somit unser aller Laune heben?

Neulich bin ich einer älteren Dame begegnet. Sie ging langsam auf Krücken vor mir her. Sie benötigte die gesamte Breite des Gehwegs neben einer stark befahrenen Straße. Ich hatte es eilig. Doch ich habe sie nicht gedrängt oder ein waghalsiges Überholmanöver versucht. Nach schon wenigen Metern blieb sie vor einem Restaurant stehen. Die Türe war geschlossen. Ich konnte in ihrem Gesicht erkennen, dass sie fieberhaft überlegte, wie sie denn mit ihren Krücken die Türe nun aufmachen sollte. Für mich war es selbstverständlich, was als nächstes passierte. „Warten Sie! Ich helfe Ihnen.“ Ich öffnete die Tür und hielt sie auf, während sie eintrat. Für die ältere Dame war es allerdings nicht selbstverständlich, denn sie sah mich mit großen Augen an und bedankte sich bei mir, als hätte ich ihr eine sehr große Last abgenommen und sie hätte niemals mit so einer Geste gerechnet – und das brachte mich zum Nachdenken. War es nicht absolut normal jemandem zu helfen, selbst wenn man nicht darum gebeten wurde? Wenn ich sehe, dass jemand Hilfe benötigt, soll ich dann nicht aufstehen, hingehen und helfen? Doch, das sollte man – und es sollte auch selbstverständlich sein, dass man sich das Leben nicht aus Bequemlichkeit oder Egoismus gegenseitig erschwert.

Und damit meine ich nicht, dass man etwas für eine Person erledigen sollte, die dieser Jemand problemlos selbst erledigen könnte oder sich von jedem ausnutzen zu lassen, weil deren Bequemlichkeit im Weg steht; sondern ich spreche hier von den Kleinigkeiten, die unseren Alltag doch erleichtern würden.
Die einen normalen Tag zu einem guten Tag machen könnten. Denn, wenn man jemandem hilft, fühlt man sich selbst gut
 und hilft man sich dadurch nicht auch ein klein wenig selbst?

Natürlich sieht man immer wieder einen Menschen, der einem anderen hilft und wenn wir nur daneben sitzen, denken wir uns manchmal: „Hätte ich das nicht auch gekonnt? Warum bin ich nur sitzengeblieben?“ Und wenn das alle denken, steht in Zukunft niemand mehr auf, geht hin und hilft – und zwar einfach so, ohne etwas dafür zu verlangen. Ich denke solche „Helfer“ sind sehr wertvoll und gehören zu den wahren Schätzen unserer Anhäufung unzähliger unterschiedlicher Charaktere. Doch sie sind zu selten. Und wir bräuchten mehr davon!

Ich finde es sehr schade, dass sich kaum jemand mehr bückt, wenn einem etwas hinunterfällt, der gerade alle Hände voll hat. Dass kaum eine Person die Türe für einen öffnet, der gerade keine Hand frei hat. Dass nur wenige Menschen Sitzplätze im Bus anbieten, wenn ein Individuum zusteigt, welches nicht nur alt ist, sondern eventuell jung und verletzt. Sind wir hier nur auf ‚alt‘ konditioniert? Und nicht auf alle möglichen Personentypen, die einen Sitzplatz benötigen würden?
Oder dass man sich nicht mehr ‚Gesundheit‘ wünscht, wenn jemand niest, auch wenn man diesen Jemand nicht kennt. Taschentuch anbieten wäre natürlich auch eine großartige Geste, doch beginnen wir einmal nur mit kleinen Schritten – zum Beispiel mit einem Lächeln.

Auch wenn wir nicht gut gelaunt sind, wenn wir uns dann zu einem Lächeln aufraffen könnten, ginge es uns schon viel besser, denn es ist wissenschaftlich bewiesen, dass sich unsere Laune heben kann, indem wir lächeln, auch wenn uns gerade nicht zum Lächeln ist.  Und wir erheitern auch die Personen, die wir in unserem Alltag streifen, wie die anderen Passanten auf der Straße, oder die Frau beim Bäcker, die gestresst versucht alle zu bedienen und zufrieden zu stellen. Wenn wir ihr ein Lächeln schenken, fühlt sie sich eventuell ein wenig mehr wertgeschätzt, in dem was sie leistet. Und vielleicht wird sie unser Lächeln weitergeben, welches den übel gelaunten Geschäftsmann lächeln lässt, der als Nächster bei ihr seine Wünsche äußert.

Diese wenigen Muskelbewegungen in unserem Gesicht schaden niemanden – im Gegenteil: Sie machen uns fröhlich und helfen uns, uns selbst und manche Situationen besser annehmen zu können. Sie können auch den Tag der Menschen erhellen, denen wir begegnen.

Und wäre die Welt durch ein paar mehr lächelnde Menschen nicht schon etwas freundlicher? Ich denke, in dieser egoistischen Zeit können wir es uns durchaus leisten, ab und an ein Lächeln zu verschenken. Findet ihr nicht auch? Denn ein Lächeln kostet nichts außer etwas Überwindung zu Beginn und kann doch so viel bewirken.

Also ich für meinen Teil, lächle gerade.
Und ich hoffe ihr gebt mein Lächeln weiter.

Veröffentlicht in Prosa

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